Ferdinand von Habsburg kam nach dem Saisonfinale der DTM in Hockenheim strahlend in den Media-Bereich und stellte sich gutgelaunt und völlig entspannt den Fragen der wartenden Journalisten: „Wir haben ein gutes Jahr gehabt zusammen – oder?“, fragte der Österreicher in die Runde und bekam von allen Seiten Zustimmung..

Dass der DTM-Rookie kurz zuvor als Elfter zum vierten Mal in dieser Saison knapp an den Punkterängen vorbeigeschrammt ist, tat seiner guten Laune keinen Abbruch: „Ob es ein Punkterang gewesen wäre oder nicht ist reine Ehrensache, bedeutet aber am Ende nix - ich werde auch so gut schlafen. Wichtig war für mich in dieser Saison bei allem Druck den Spaß am Fahren nie zu verlieren – und das ist mir gelungen“.

    

Recht hat er, denn viel eindrucksvoller als ein Platz in den Top-Ten war das bis zur letzten Kurve andauernde Duell mit dem zweifachen DTM-Champion Marco Wittmann, das von Habsburg unter schwierigsten äußeren Bedingungen letztlich für sich entschied. „Ja, das macht mich besonders stolz und hat sich extrem gut angefühlt. Ich musste jede Runde etwas anderes probieren, um ihn hinter mir zu halten. Wittmann hat im Regen ein sehr gutes Gefühl für das Auto. Er hat rundenlang versucht einen Trend herauszufinden, wo er mich am besten überholen kann. Darauf musste ich ständig reagieren. Das Rennen hat sich dadurch für mich extra lange angefühlt und war extremst anstrengend“.

Genau genommen tobte während der gesamten Renndauer ein beinharter Vierkampf um die Positionen zehn bis 13. Die Viererbande, bestehend aus Loic Duval (Audi), Ferdinand von Habsburg (Aston Martin), Marco Wittmann (BMW) und Sheldon van der Linde (BMW) trennte im Ziel weniger als fünf Sekunden. „Da ich drei ausgesprochene Regenspezialisten um mich herum hatte, fühlte sich der Vierkampf noch besser an“, schwärmte von Habsburg.

Ins Schwärmen kam der gebürtige Salzburger diesmal bereits in den Trainingssitzungen, denn er fand sich auf dem Zeitentableau nicht wie sonst im hinteren Drittel des Feldes wieder, sondern landete mit seinem Aston Martin Vantage DTM in beiden Qualifyings im Mittelfeld auf Startplatz 12. Im Zeittraining für das Samstagsrennen war er sogar schnellster Aston Martin Pilot. „Ich fühle mich im Auto immer wohler und verstehe die Reifen immer besser, was sich letztlich in schnelleren Rundenzeiten bemerkbar macht“, freute sich der 22-Jährige.

Die Freude währte allerdings nicht lange, denn von Habsburg konnte aufgrund eines Motorschadens nicht am Rennen teilnehmen. „Nach dem Qualifying hat sich der Motor auf der „Inlap“ schon etwas komisch angehört, was allerdings nicht immer gleich negativ zu bewerten ist“, betonte der Österreicher. In diesem Fall jedoch hatte er richtig gehört, denn der 610 PS starke Zwei-Liter-Turbo-Motor ging in der Aufwärmphase vor dem Rennen in der Box kaputt und musste gewechselt werden. „Das geht sich zeitlich für das Rennen natürlich nicht aus“, erklärte von Habsburg enttäuscht.

Rückblickend auf seine erste DTM-Saison sagte der Rookie: „Ich musste mich dieses Jahr adaptieren und lernen, wie man ein Tourenwagen-Rennen angeht. Man kann im Zweikampf viel aggressiver sein, als in der Formel-3. Man kann viel härter mit der Strecke umgehen, weil ein DTM-Auto mit den Curbs besser zurechtkommt. Ich musste mich daran gewöhnen mit mehr PS, mehr Downforce und höheren Geschwindigkeiten umzugehen – und das sind noch die einfacheren Sachen. Viel schwieriger ist es mit dem Druck in der DTM klar zu kommen, der wesentlich höher ist, als in der Formel-3. Du hast am Wochenende wenige freie Minuten für dich selbst, denn neben den Meetings sind sehr viele Medien- und Sponsor-Termine zu erfüllen, die zwar extrem viel Spaß machen und natürlich auch wichtig sind, aber du bist dadurch am Abend im Bett komplett fertig. Die Saison war eine super Erfahrung für mich. Ich habe mehr geleistet, als ich mir selbst zugetraut hatte und bin deshalb sehr stolz auf meine Leistungen. Speziell am Saisonende habe ich in den Qualifyings gezeigt, dass ich als Rookie unter schwierigsten Bedingungen konstant schneller bin, als meine Teamkollegen. Damit habe ich auch meinem Teamchef bewiesen, dass er sich für den richtigen Fahrer entschieden hat. Das gibt mir sehr viel Vertrauen für den Winter und die anstehenden Vertragsverhandlungen“.

 

Fotos von: Werner Wagner, typisch-wagner.com

 

Über den Autor
Ralf Hensel
Autor: Ralf HenselWebsite: http://www.news-department.de
Editor