So hatte sich Lucas Auer sein allerletztes DTM-Rennen für Mercedes sicherlich nicht vorgestellt. Anstatt die Saison beim Finale in Hockenheim mit einem Sieg, oder zumindest mit einem Podestplatz zu beenden, ging der Österreicher in beiden Läufen leer aus. Während er im ersten Rennen am Samstag an dritter Stelle liegend mit technischem Defekt ausschied, fuhr er im Sonntagsrennen zunächst als 16. über die Ziellinie. Da er nicht, wie vorgeschrieben, beim Wiegen erschien, wurde er auch noch nachträglich disqualifiziert.

Dabei hatte für Lucas Auer das letzte DTM-Wochenende der Stuttgarter Autobauer mit dem Stern auf der Haube vielversprechend begonnen. Im Qualifying zu Lauf 1 am Samstag sicherte sich der Neffe von DTM-Chef Gerhard Berger seine insgesamt neunte DTM-Pole und seine zweite in Hockenheim. „Über die Pole-Position bin ich selbst etwas erstaunt, denn wir hatten in den freien Trainings einiges probiert, das aber nicht richtig funktioniert hat, sodass wir alles wieder zurückbauen mussten. Deshalb hatte ich kein gutes Gefühl und bin umso überraschter, dass es doch für Startplatz-1 gereicht hat“, erklärte Auer.

    

Im Rennen überzeugte der Kufsteiner einmal mehr durch einen glänzenden Start. Auer setzte sich mit seinem Mercedes-AMG C63 DTM sofort zwei Wagenlängen vom restlichen Feld ab und behauptete souverän die Führung. „Dann habe ich allerdings sofort Gary Paffett vorbeigelassen, der um den Titel in der Fahrerwertung kämpfte“, betonte der 24-Jährige. In der vierten Runde wurde der orange Silberpfeil allerdings plötzlich langsamer, sodass Audi-Pilot René Rast, der ebenfalls um die Fahrerkrone kämpfte, an Auer vorbeizog. In der sechsten Runde schließlich ging bei Auer gar nichts mehr, sodass er die Box ansteuerte und sein Rennen vorzeitig beendete: „Ab der zweiten Runde ist mir immer wieder das Gaspedal in Vollgas-Stellung hängengeblieben, sodass ich nicht mehr bremsen konnte“, schilderte Auer den Ausfallgrund.

Im Qualifying zum Saisonfinale am Sonntag fuhr der Mercedes-Pilot fünf Zehntel langsamer als am Vortag und landete nur auf Startplatz 12. Im einstündigen Rennen auf dem 4,574 Kilometer langen Grand-Prix Kurs in Hockenheim lief es noch schlechter, sodass Auer nur als 16. ins Ziel kam. Sichtlich angefressen wollte er sich anschließend zum Rennverlauf nicht äußern und meinte nur lapidar: „Gratuliere Gary, HWA-Mercedes - mehr gibt´s nicht zu sagen“. Da Auer auch nicht, wie nach jeden DTM-Rennen vorgeschrieben, beim Wiegen erschien, wurde er nachträglich genauso disqualifiziert, wie sein Markenkollege Pascal Wehrlein. Nach der Nullnummer in beiden Rennen beendete Auer die Saison letztlich mit 121 Punkten als Tabellen-Siebter.

Gesprächiger war er zum Thema Saisonrückblick: „Mit mir bin ich zufrieden“, sagt Auer nach seiner vierten DTM-Saison. „Mit dem perfekten Set-up hatte ich einen starken Speed – das war besonders im Qualifying zu spüren. Anderseits sind zu viele Fehler passiert. Ich persönlich habe dieses Jahr in der Entwicklung einen Riesenschritt gemacht – nur wir haben es nicht umsetzen können“. Angesprochen auf seine vierjährige DTM-Zeit bei den Schwaben meinte Auer: „Ich hatte bei Mercedes eine sehr gute Zeit, in der ich viel gelernt habe. Dort bekam ich die Chance, mich an einen Tourenwagen zu gewöhnen und habe sie genutzt, wie meine Pole im ersten Jahr zeigt. Im zweiten Jahr ist der Knoten dann endgültig geplatzt und meine dritte Saison im letzten Jahr war definitiv megastark. Bei Mercedes wurde mir gezeigt wie professioneller Motorsport funktioniert und ich kenne langsam die Spiele, wie man sich in Position bringt.“

Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz war mit seinem Schützling ebenfalls zufrieden: „Lucas hat bei uns eine mega Entwicklung hingelegt. Vom Crashpiloten im ersten Jahr, der schon in der Einführungsrunde abgeflogen ist, bis hin zu jemand, der konstant vorne mitfahren kann. Im letzten Jahr hat er lange mit um die Meisterschaft gekämpft, dieses Jahr allerdings war ihm das Glück nicht hold – aber so ist der Motorsport. Ich bin mir sicher, dass er sich zurückkämpfen wird – von ihm werden wir noch viel sehen.“

Wie es im nächsten Jahr weitergeht konnte oder wollte Auer nicht sagen: „Abwarten – momentan gibt es dazu einfach noch nichts zu sagen – und wenn ich was sage, dann passt´s  – das ist das Feine an mir.“

 

 

 

Fotos von: Farid Wagner, pitwall.de

 

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Ralf Hensel
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