Nachdem VW mit dem Polo R WRC viermal in Folge die Rallye-Weltmeisterschaft eingefahren hat, zieht sich das Team mit Sitz in Hannover zum Jahresende aus der WM zurück.

   

Nachdem VW mit dem Polo R WRC viermal in Folge die Rallye-Weltmeisterschaft eingefahren hat, zieht sich das Team mit Sitz in Hannover zum Jahresende aus der WM zurück.

Das sind die schlechten Nachrichten aus Hannover. Allerdings gibt es durchaus auch Positives im dem Hause VW Motorsport zu berichten: Zuerst einmal wird keinem der rund 200 Mitarbeitern gekündigt werden. Das ist auch gut, denn die Motorsportabteilung von VW hat auch nach dem Ausstieg aus der Rallye-WM große Aufgaben vor sich.

Der Kundensport rückt nun in den Mittelpunkt. Das sind zum einen die weltweit florierenden TCR-Rennserien. VW ist hier bereits mit dem Golf GTI TCR erfolgreich am Start gewesen. Allerdings hat das Auto noch Potenzial. Hier gilt es, nun das Fahrzeug in den Details weiterzuentwickeln, damit der GTI unter anderem in der TCR Germany, die im Rahmen des ADAC GT Masters fährt, als klarer Titelkandidat antreten kann. Eine spannende Herausforderung, denn auch konzernintern gibt es mit dem anerkannt schnellen SEAT León und den brandneuen Audi A3 hochkarätige Konkurrenz. Das Kundensport-Engagement im Rundstreckensport ist auch finanziell interessant, denn schließlich werden die Autos von Kundenteams gekauft. Reparaturen und Verschleißteile bringen den Hannoveranern ebenfalls Geld.

In Europa kaum wahrgenommen, dafür in den USA medial sehr präsent, ist die Global-Rallycross-Serie. Hier setzt seit einigen Jahren Volkswagen of America zwei Beetle ein. Diese wurden in Hannover entwickelt und Volkswagen Motorsport bereitet die beiden Autos derzeit auf die Saison 2017 vor.

In der Vergangenheit war der Beetle GRC ein Auto, an dem kaum ein Weg vorbeiführte. Scott Speed gewann mit ihm den Fahrertitel in den Jahren 2015 und 2016. Außerdem ging in dieser Saison zusätzlich der Hersteller-Titel an Volkswagen. Aufgrund der vorhandenen Erfahrung in der beliebten US-Rallycross-Serie wollen die Verantwortlichen einen möglichen Ausbau der Aktivitäten untersuchen. Kritiker werden jetzt vielleicht sagen: "Das hätte man sich aber auch noch sparen können." Nein, aus Marketing-Sicht ist der US-Einsatz elementar wichtig. Amerikanische Medien werden dadurch positiv über Erfolge von VW berichten und nicht ständig im Zusammenhang mit Volkswagen über "Diesel-Gate" reden. Dieses Engagement ist für die Marke in den USA in doppelter Hinsicht wichtig. Zum einen ist die mediale Präsenz beachtlich, zum anderen ist diese Serie besonders bei jungen Menschen sehr beliebt. Denn z.B. Fahrer wie Ken Block sorgen für eine starke Bindung zur Youtube-Generation. Für VW ist der finanziell überschaubare Einsatz in den USA sinnvoll, denn so sorgt die Marke bei künftigen Käufern für Gesprächswert und bekommt ein sportliches und sympathisches Image.

Und noch einmal zurück zum Thema Kundensport: VW verabschiedet sich nicht ganz aus der Rallye-Szene. Im kommenden Jahr wird man in Hannover mit der Neuentwicklung eines Rallye-Autos der R5-Kategorie beginnen. Dieses wird auf der nächsten Generation des Polo basieren. Ab 2018 will man den R5-Polo dann Kundenteams zum Kauf anbieten können. Die gesamte Erfahrung aus dem erfolgreichen WRC-Engagement wird in dieses Auto einfließen und nach vier Hersteller-Titeln in Folge darf man vom kommenden R5-Polo wohl eine Menge erwarten. Für Europas größten Autobauer ist dieses Engagement finanziell ebenfalls interessant. Genau wie beim TCR-Golf werden die Autos von Kundenteams gekauft, diese zahlen in Hannover für Reparaturen und Verschleißteile.

Wenn man sich diese drei Bereiche einmal anschaut, dann wird klar, dass man bei VW Motorsport auf keinen der Mitarbeiter verzichten kann, auch wenn das WRC-Thema Ende das Jahres Geschichte sein wird. Zum einen zeigt die Marke künftig verstärkt im Kundensport Flagge, zum anderen bedeutet die Neuausrichtung auch, dass die enge Zusammenarbeit zwischen der Serienentwicklung und dem  Motorsport ausgebaut werden soll. Der Fokus soll verstärkt auf kommende Technologien im Motorsport liegen, heißt es aus Hannover.

Natürlich wird man dem Polo R WRC eine Träne nachweinen - kein anderes Auto in der Geschichte der Rallye-WM hat eine bessere Erfolgsquote. Trotz der kaum abschätzbaren finanziellen Folgen von Diesel-Gate ist der Ausstieg aus der sündhaft teuren Rallye-WM aber richtig. Der mediale Gegenwert stand zuletzt in keinem Verhältnis mehr zu den vielen Millionen Euro Aufwand. Die sogenannte Coverage im Heimatland ist quasi nicht existent, obwohl es mit der Rallye Deutschland seit Jahren einen WM-Lauf rund um Trier gibt.

Mit dem neuen Bekenntnis zum Motorsport tut VW deutlich mehr für den Breitensport als bislang. Mit dem Rundstrecken-Golf GTI TCR und dem kommenden R5-Rallye-Polo gibt es für Privatfahrer bald interessante und mit Sicherheit siegfähige Autos. Denn wer sich die Motorsporterfolge von VW einmal genauer anschaut, der wird sehen, dass aus Hannover nie "halbe Sachen" auf Renn- und Rallye-Strecken geschickt wurden. 

  

 

 

Über den Autor
Thorsten Tromm
Autor: Thorsten TrommWebsite: http://www.news-department.de
Editor-in-chief