Ursprünglich haben SEAT und Amazon mit 15 Autos kalkuliert. Letztendlich haben 24 Amazon-Kunden den Mii by Mango online gekauft.

   

Der Online-Versender Amazon wird in unserem Leben immer wichtiger. Mittlerweile kommt man kaum noch an ihm vorbei. Das bösennotierte Unternehmen startete 1994 als Online-Buchhänder und hat in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung erlangt. Immer mehr Menschen bestellen Dinge des täglichen Lebens über die Online-Plattform. Amazon ist sogar seit 2007 schon in den USA im Lebensmittelbereich aktiv.

In Deutschland entfällt derzeit rund ein Viertel des gesamten Online-Handels auf das Unternehmen -  Tendenz steigend. Doch nicht nur Amazon versucht, immer wieder neue Kunden für sich zu gewinnen. Selbst Branchen, die bislang nicht oder kaum online tätig waren, liebäugeln immer stärker mit dem Branchenriesen.

Auch wenn es bis vor einigen Jahren unvorstellbar war, ein Auto online zu kaufen, nehmen die Vorbehalte immer weiter ab. Online-Käufe sind inzwischen in allen Altersschichten zur Normalität geworden. Wir haben uns an die Bequemlichkeit gewöhnt und erwarten immer mehr, dass die bestellten Dinge schnell ins Haus geliefert werden.

Beim Autokauf ist das Internet ebenfalls nicht mehr wegzudenken. 94 Prozent der Käufer informieren sich im Netz vor dem Kauf über mögliche Angebote. Immer mehr Menschen konfigurieren ihr Wunschauto auf der Website des Herstellers und ordern genau dieses Fahrzeug dann beim Händler.

Bislang gab es noch nicht die Möglichkeit, sein neues Auto bei Amazon zu bestellen. Der Online-Händler spielt aber schon seit Jahren mit dem Gedanken, Neuwagen über seine Plattform anzubieten. Immer wieder gab es Versuche, die aber nicht realisiert wurden, denn es bestand das Problem des späteren Service. Keiner der Hersteller, die sich an den Versuchen beteiligten, hat es geschafft, den Händler vor Ort so einzubinden, dass der Kunde bereits beim Kauf seinen späteren Ansprechpartner für die Wartung kennenlernt.

Doch jetzt hat SEAT in Frankreich einen vielversprechenden Versuch gestartet. Unter dem Hashtag #DeliveryToEnjoy sollten 15 SEAT Mii by Mango über Amazon Frankreich verkauft werden. Das Versprechen an den Kunden: In spätestens 72 Stunden wird der neue SEAT angeliefert. Die Online-Kunden mussten zuerst ein 500-Euro-Deposit beim amazon.fr hinterlegen. Anschließend kümmerte sich ein SEAT-Berater um die Formalitäten und der Kauf wurde abgeschlossen.

Die versprochene 72 Stunden Lieferzeit wurden dann von dem SEAT-Händler beaufsichtigt, der seinen Sitz am Nächsten zum Kunden hat. Hierdurch hat SEAT sein Händlernetzwerk weiter ausbauen und neue Wege einführen können, um neue Kunden zu gewinnen, die bislang nicht den Weg ins Autohaus gefunden haben.

SEAT und Amazon Frankreich können mit ihrer Aktion #DeliveryToEnjoy mehr als zufrieden sein. Ursprünglich wurden 15 Mii by Mango hierfür reserviert, die Nachfrage war allerdings so groß, dass SEAT sich entschlossen hat, das Online-Angebot um einen weiteren Monat zu verlängern. Eine clevere Entscheidung, denn so sind aus den ursprünglich 15 dann 24 Mii by Mango geworden.

Um die Autos in der zugesagten Zeit liefern zu können, musste Amazon auch das eine oder andere Mal zu außergewöhnlichen Transportmitteln greifen. Dies sehr medienwirksam, denn ein Transport mit dem Hubschrauber ist schon eine Attraktion, und hat weitere Menschen auf die Aktion #DeliveryToEnjoy aufmerksam gemacht.

Dass auch Amazon ein großes Interesse daran hat, die Zusammenarbeit mit dem spanischen Autohersteller weiter auszubauen, und sie nicht nur als einen Versuchsballon zu sehen, ist klar. Auch die Amazon-Konkurrenten Google und Yahoo! stellen sich langsam darauf ein, im Online-Autohandel ein Wörtchen mitreden zu können. Hinzu kommt, dass der Online-Handel global eine immer stärkere Bedeutung einnimmt und es bald völlig üblich sein wird, ein Auto im Internet zu kaufen.

Es bleibt abzuwarten, wann Amazon den nächsten großen Schritt unternimmt. Denn nach dem Heimmarkt USA ist Deutschland der zweitgrößte und zweitwichtigste Markt für den Online-Versandhändler. Hier hat allerdings bislang noch niemand versucht, den Online-Fahrzeughandel entsprechend voranzutreiben.       

   

 

 

Über den Autor
Thorsten Tromm
Autor: Thorsten TrommWebsite: http://www.news-department.de
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